Das gomerianische Hanghuhn

Gomerianische Hanghühner leben - daher der Name - an den Hängen der Berge Gomeras. Weitläufig verwandt sind sie übrigens mit den bekannten ostfriesischen Deichhühnern, mit denen sie auch ihre stets einseitig geneigte Lebensweise teilen.

Hanghühner haben sich - wie die meisten Tiere - ihrer Umwelt im Laufe der Evolution perfekt angepasst. Und so, wie der Scholle beispielsweise in Jahrtausenden beide Augen auf die gleiche Körperseite gewandert sind, so entwickelte das gomerianische Hanghuhn ein (kürzeres) Berg- und ein (längeres) Talbein. An diesen unterschiedlich langen Beinen sind Hanghühner selbst vom Laien leicht von allen anderen Hühnern zu unterscheiden. Wie alle Hühner pflegt nämlich auch das Hanghuhn durch Aufscharren des Bodens nach Nahrung zu suchen. Wären nun beide Beine gleich lang, so würde das Tier Schwierigkeiten haben, sich während der Nahrungssuche an den steilen Berghängen der Insel im Gleichgewicht halten zu können.

In der gomerianischen Gastronomie spielt das Hanghuhn seit je eine wichtige Rolle. Während der unwissende Gast gern mit dem (kleinen und dünnen) Bergbein abgespeist wird, besteht der Kenner auf "Muslo del Valle" - also dem Talbein, welches sehr viel größer und fleischiger ist.

Auch das Einfangen der gomerianischen Berghühner erfolgt nach einer inselspezifischen Methode: dem "Silbo gallinero" - wörtlich übersetzt dem "Hühnerpfiff". Wird dieser Pfiff hinter einem äsenden Hanghuhn unvermutet ausgestossen, so dreht sich das Huhn sofort erschreckt um. Bergbein wird plötzlich Talbein und - zack - fällt das Huhn um.

Ob es allerdings stimmt, dass gomerianische Hanghühner inzwischen viereckige Eier legen, die ihnen nicht mehr vom Hang runter rollen können, wird von ernsthaften Hühnerforschern bezweifelt. "Es mag sein," räumt Prof. Tietzenberger vom insularen Hühnerforschungs-Institut auf Befragen ein, "dass Hanghuhneier weniger rund sind als normale Eier, aber als viereckig würde ich sie nicht gerade beschreiben." Schade. Viereckige Hanghuhn-Eier liessen sich ja viel rationeller stapeln und exportieren.